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30.05.2015

Neue Weltraum-Ideen für Europa

Organisatoren und Teilnehmer des ersten StartupWeekend Space in Europa.

In Nordamerika ist sie bereits Realität: Im Zuge der sogenannten NewSpace-Bewegung sorgt eine Vielzahl von jungen Startup-Unternehmen für innovative Ideen in der Weltraumbranche und somit für eine Weiterentwicklung dieses interessanten und zukunftsträchtigen Sektors. »In Europa ist das Thema leider noch nicht in dieser Art und Weise angekommen«, sagt Sebastian D. Marcu. Doch der Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Design & Data ist sich sicher: »In den nächsten Monaten und Jahren könnte hier etwas Großartiges heranwachsen!« Als Vorreiter dafür gilt schon jetzt das erste StartupWeekend Space in Bremen, bei dem der Kommunikationsexperte als Co-Leiter fungierte.

Das Event vereinte Mitte April 80 Teilnehmer aus insgesamt 18 Ländern im Bremer Innovations- und Technologiezentrum BITZ. Innerhalb von 60 Stunden entwickelten die kreativen Köpfe aus verschiedensten Branchen hier neue Startup-Konzepte für den Weltraum-Bereich.

27 Geschäftsideen wurden dabei in der ersten Runde vor dem Plenum gepitcht. Jeder Kandidat hatte für seinen Vortrag 60 Sekunden. In dieser Zeit musste er das zu lösende Problem sowie die dafür vorgesehene Lösung darstellen und erörtern, welche Ressourcen für den Prozess benötigt würden. Auch ein Poster, das die jeweiligen Ideen zusammenfasst, musste erstellt werden. Alle 80 Teilnehmer konnten anschließend drei Stimmen auf drei unterschiedliche Poster kleben und so ihre persönlichen Favoriten küren. Die Entwickler der zehn Geschäftsideen mit den meisten Punkten wurden daraufhin zu Teamleadern und durften aus den restlichen Teilnehmern ihre jeweiligen Teammitglieder rekrutieren. In Gruppenarbeiten galt es dann am Rest des Wochenendes, die ausgewählten Grundideen auszuarbeiten.

Während dieses Prozesses herrschte eine einmalige Atmosphäre. Denn in den Teams war schnell ein sehr kreativer und produktiver Geist entstanden. Und durch die verschiedenen Skills der einzelnen Mitglieder wurden die Anfangsideen auf diese Weise schnell reifer und besser. »Es ist erstaunlich, diesen Spirit zu sehen und zu fühlen«, stellte Teilnehmer Kai Krieger vom Team Art for Space fest.

Mit viel Gruppendynamik arbeiteten die Teams an ihren Konzepten – und mussten teilweise lernen, dass beim Arbeiten mit mehreren Individuen auch Konflikte entstehen können. Bei einer der Arbeitsgemeinschaften führte dies sogar zu einer Abspaltung, die die Gründung einer elften Gruppe nach sich zog. So wurde Raum für eine weitere kreative Entwicklung geschaffen – das Team Mapeye
Beim Verfeinern der Konzepte erhielten die Gruppen aus Neulingen fachmännische Unterstützung von bereits renommierten Raumfahrtunternehmern und Mentoren aus der Industrie und Wirtschaft. Dazu gehörten Beispielsweise Firmenchefs, Finanzexperten und Projektmanager. Diese Mentoren halfen den Teams, ihre Ideen zu realisierbaren und soliden Geschäftsmodellen zu machen.

Die Gruppen arbeiteten dabei höchst akribisch – teilweise über Nacht. In dieser Zeit entwickelten die Teams ganze Webpräsenzen, Software sowie physische Prototypen. Diese entstanden auf der vom FabLab bereitgestellten Infrastruktur an 3D-Drucker und Laser-Cutter. Jeder hatte das Gefühl: Hier passiert etwas ganz Besonderes. So zum Beispiel Teilnehmer Mihir Bhagat vom Team Beyond. »Es war aufregend und ermüdend«, sagt er nach einer kurzen Nacht. »Was uns antreibt, ist, dass wir eine Menge Spaß haben.«

Die elf ausgearbeiteten Geschäftsmodelle wurden am letzten Tag des Events einer Fachjury vorgestellt, die anschließend drei Gewinnerteams kürte. Das Rennen um den ersten Platz machte dabei das Team USB-i mit der Entwicklung eines Universal-Adapters, der eine Vielzahl von Nutzlasten mit jeder Art von Satellitenbussystem verbindet. Als Preise erhielten USB-i sowie die Zweit- und Drittplatzierten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle, zum Beispiel durch professionelle Coachings.

Nicht nur die Sieger, sondern auch alle anderen Anwesenden waren sich am Ende des StartupWeekends sicher: Wir haben hier etwas Grandioses erlebt!

»Die Resonanz aller Anwesenden war durchweg positiv«, resümiert Sebastian Marcu, der laut eigener Aussage das Gefühl gehabt hatte, in einer »Kreativwelt à la Silicon Valley« zu sein. Sowohl die kulturelle Vielfalt der Teilnehmer als auch die Tatsache, dass neben Luft- und Raumfahrtingenieuren viele Menschen aus anderen Feldern wie Design und BWL dabei waren, führte zu einem großartigen Erfolg dieser Veranstaltung.

Dem schließt sich auch Hans-Georg Tschupke, Leiter des Innovationssektors der Wirtschaftsförderung Bremen, an: »Mein Gesamteindruck des ersten StartupWeekend Space in Europa war: Aufregend!«

Das zeigt: In der Weltraum-Branche steckt eine immense Vielfalt, die nur herausgekitzelt werden muss! Alle Verantwortlichen sind sich jedenfalls einig, dass Bremen ein idealer Standort ist, um den Bereich weiterzuentwickeln.

»Wir wollen Bremen zum Knotenpunkt für eine Weltraum-Gründerszene machen«, kündigt Hans-Georg Tschupke an. Es seien bereits Gespräche mit nationalen und internationalen Größen im Gange. Das StartupWeekend Space soll nur der Anfang gewesen sein.

Man darf also gespannt sein auf das, was noch kommt. Auf etwas Neues, das wachsen wird. Auf etwas Starkes, das den europäischen Weltraum-Sektor vorantreiben wird. In Bremen soll etwas Fantastisches gedeihen. Und jeder kann dabei sein.

Das Motto lautet: Think big, be bold, #BeSpacial!